Zu Gast in der Gänsewirtschaft

Fairer Handel in der Gänsewirtschaft von Drewer
Vortrag bei fairen Kaffee und selbstgebackenem Kuchen

Bernd Cordes begrüßte die fast 30 Gäste in der Gänsewirtschaft und erklärte, dass der Kontakt zur EINE-WELT-Gruppe bei einem Coffee-Stop auf dem Wilkeplatz in Belecke entstanden war. Nachdem alle fairen Kaffee und selbstgebackenen Kuchen probiert hatten, startete Theo Sprenger mit einem Vortrag, der zunächst erklärte, warum sich die Gruppe aus Belecke im fairen Handel engagiert und den EINE-WELT-Laden in der Wilkestraße täglich von 17 bis 18 Uhr öffnet – mit ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen.

Wenn man sich die Weltbevölkerung als ein Dorf von 100 Einwohnern vorstellt, dann habe 46 von ihnen weniger als 2,50 Dollar am Tag zur Verfügung. Und das nach rund 70 Jahren „Entwicklungshilfe“. Das Versprechen, Armut und Hunger zu beseitigen, entpuppt sich als dreiste Lüge der Industriestaaten gegenüber der sogenannten Dritten Welt. Und das widerspricht unserer Überzeugung, dass alle Menschen gleiche Rechte und Würde haben. Wenn sich schon die Welthandelsgesetze nicht so leicht ändern lassen, dann ist der faire Handel ein wichtiges Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen mit der organisierten Ungerechtigkeit nicht einverstanden sind.

Warum sind die fairen Produkte etwas teurer als die unfairen? Das erklärte Sprenger anhand von Kaffeehandel auf dem Weltmarkt. Wenn Kaffeebauern auf die Zwischenhändler im Land angewiesen sind, decken die Einnahmen kaum die Kosten und führen in die Verarmung der Dorfbevölkerung. Am Beispiel des Tatico-Kaffees, der vom Kolpingwerk fair gehandelt wird, lassen sich die Vorteile des fairen Handels für die Produzenten aufzeigen: Genossenschaften erhalten Beratung, garantierte Mindestpreise, teils 50% über dem Weltmarktpreis, Zuschläge für Bio-Qualität, Zuschläge für Gemeinschaftseinrichtungen wie Transport-LKWs, Kindergarten oder Gesundheitsstation. Gleiches gilt für die Kaffees von GEPA, El Puente und Globo. Sie legen ihre Kalkulation offen und zeigen damit, wie eine faire Partnerschaft im Welthandel aussehen könnte. Demgegenüber zahlen Händler mit dem Fairtrade-Siegel etwas weniger an die Produzenten, um sich in Deutschlands Supermärkten leichter zu etablieren.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass Rohkaffee zollfrei importiert werden kann. Würde er in Mexiko geröstet, kämen sofort 9% Zoll auf den Preis für Röstkaffee. Damit ist kein fairer Wettbewerb möglich. Länder des Südens werden nur als Rohstoffquellen akzeptiert, nicht als Verarbeiter von Kaffee, Orangensaft, Tee, Rohrzucker, Palmöl, Holz und anderen Rohstoffen.

Die Organisatoren der Gänsewirtschaft sind jedenfalls von der Idee und der Qualität des fairen Kaffees überzeugt und werden ihn künftig in ihrem Lokal anbieten. Geht doch!

Theo Sprenger

27.01.20